Cavall Bernat 1991

Wir fuhren mit unserem Leih-Panda vormittags nach Alcudia und legten uns an den leeren Stand. Bald wussten wir, warum es so einsam war: Vom Meer her wehte ein eisiger Wind ins Landesinnere. Nach einer halben Stunde entschlossen wir uns zur Tour zum Cavall Bernat. Wir fuhren ins nahe Puerto Pollensa. Mit etwas Spürsinn fanden wir den Weg ins Boquer-Tal. Vorbei am Gut Boquer und riesigen Findlingen wanderten wir hinein ins malerische Boquer-Tal.

Der Weg führte zum Coll del Moro und von da aus hinunter in Richtung Meer zur Cala Vall de Boquer. Doch wir bogen schon an der zweiten Mauer, die quer durch das Tal lief, nach links ab und suchten durch Gestrüpp und über Ziegenpfade unseren eigenen Weg. Trafen wir zuvor noch einige englische Touristen, so waren wir jetzt allein, einzig ein paar Schafe und Ziegen waren noch zu entdecken. Verbrannte Kakteenstümpfe begleiteten uns bis in die Zone, in der wir nun öfters Hand an den Fels legen mußten. Die Routenfindung ohne Markierungen war nicht einfach. Immer wieder hieß es ein Stück zurückzugehen und eine bessere Route zu finden, da immer wieder unvermittelt Felsabbrüche vor uns auftauchten.

Schon weit oben, kurz vor dem Ausstieg zum Grat mußte ich in heikler Manier einige Meter zurückklettern. Wir mußten daraufhin weit nach rechts queren, bevor eine Möglichkeit bestand, weiter nach oben zu klettern. Das Kalkgestein wäre eigentlich idael zum Klettern geeignet, wäre es nicht überall mit spitzen „Kalkdornen“ gespickt gewesen. Beim späteren Abwärtsklettern war es aus diesem Grund sehr unangenehm einen Stützgriff einzusetzen. Nach zwei Stunden standen wir oben am „375m-Gipfelchen“ des Cavall Bernat. Vom Tal aus gesehen war es der erste Gipfel rechts vom auffälligen Felsenfenster. Die Aussicht war nach allen Seiten fabelhaft: Im Norden Cap Formentor, östlich die Alcudia-Halbinsel, im Süden die verträumte Bucht von Cala San Vicente, westlich dahinter eine endlose Kette von Bergen.

Mit Erreichen des Gipfels hatten wir die senkrechte Abbruchkante zum Meer direkt neben uns. Der Blick hinunter zum Meer war wirklich nur absolut Schwindelfreien zu empfehlen: Ich robbte mich auf dem Bauch liegend vorsichtig bis an den Felsrand – 375 Meter senkrecht unter mir war eine winzige Brandung zu erkennen…

Cavall Bernat 1991

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